Education Dogs – Jennifer Mätzler

Verhaltenstherapeutische Hundeschule

Verhaltenstherapie vs. Erziehungsarbeit

 

Wodurch unterscheidet sich eine Verhaltenstherapie von der bekannten, klassischen, Erziehungsarbeit? (Ein Artikel des TrainFair Gründers Sascha Jenzewski)

hundeverhaltenstherapie

 

Das ist eine berechtigte Frage, geht man als Hundehalter oftmals davon aus, einem Hund über Kommandos oder Ablenkung negative Verhaltensweisen abgewöhnen zu können.

Leider wird dies auch aus unseren Erfahrungen heraus, und durch Erzählungen von unseren Kunden, häufig von Hundeschulen/Hundetrainern so praktiziert. Das Problem ist, dass Fehlverhaltensweisen aus Sicht des Hundes immer aus „Erziehungsfehlern“ entstehen und sich somit auch nicht über weitere, oft verschlimmernde „Erziehungsarbeit“, lösen lassen.

Anhand eines weit verbreiteten „Problemverhalten“ möchte ich Ihnen dies erläutern. Viele Hunde ziehen an der Leine. Eine sehr verbreitete Maßnahme ist das Stehen bleiben und warten bis der Hund sich wieder am Menschen orientiert, oder nicht mehr zieht, um dann weiter zu gehen. Nach ein paar Schritten allerdings zieht der Hund erneut nach vorne.

Herkömmliche Maßnahmen

Eine andere Variante ist es, sobald der Hund zu ziehen beginnt, die Richtung zu wechseln. Aber auch bei dieser Vorgehensweise zieht der Hund nach einiger Zeit wieder erneut wenn damit aufgehört wird Richtungswechsel zu vollziehen. Er versteht nicht „warum“ er nicht mehr ziehen soll.

Das „warum“ gilt es vorab zu ergründen. Und zwar das „warum zieht der Hund überhaupt“? Es müsste doch unangenehm für jeden Hund sein, ständig einen Zug zu verspüren ob jetzt am Halsband oder am Geschirr. Warum zieht er dann wenn es doch unangenehm seien müsste? Nun, dies liegt daran, dass ein Hund wenn er eine Handlung ausführt, die z.B. aus einem Trieb heraus ausgelöst wird, nur interessiert ist diesen auszuleben/ auszuführen. Er spürt in dieser Situation also nichts, bzw. nicht genug, um seine Handlung aufgrund eines unangenehmen Gefühls abzubrechen. Bitte verstehen Sie mich nun nicht falsch, ich möchte damit nicht ausdrücken den Hund „etwas spüren zu lassen“ in diesen Situationen. Nein, Schreckmomente oder Schmerzreize (z.B. Rappeldose, Leinenruck), wie es leider oft dennoch praktiziert wird, verschlimmern die Probleme nur.

Wie löst man nun das Problem?

Was als erstes geklärt werden muss, ist das „Warum“. Pauschal geht es in den meisten Fällen für den Hund um die Ausführung einer Kontrolle seiner Umwelt gegenüber. Wenn der Hund schnüffelt nimmt er wahr, wer sich sonst noch in diesem Bereich aufhält, bzw. aufgehalten hat. Findet er dann eine Stelle wo sich ein oder mehrere Hunde bereits im Vorfeld gelöst haben, markiert er darüber. Wenn man dies in zu starkem Maße bei seinem Hund beobachtet, und diese Handlungen ausführen lässt, erlaubt man ihm unbewusst den Gassi-Geh-Bereich zu kontrollieren und zu beanspruchen. Was ein Hund beansprucht, sichert er auch künftig weiter für sich. So beginnt der erste kleine Teufelskreis und der Grundstein für weitere, mögliche Fehlverhaltensweisen, wird gelegt.

Teufelskreis

Eine mögliche, und sehr oft auftretende Steigerung hiervon ist eine beginnende Artgenossenproblematik. Sobald ein Hund erschnüffelt oder sichtbar wird, konzentriert sich der eigene Hunde nur noch auf den weiteren Artgenossen und ist damit beschäftigt „seinen Bereich“ möglichst gut abzusichern.

Hier zeigen Hunde ihre natürlichen Verhaltensweisen wie Drohgebärden, Verbellen oder sie gehen in den direkten Kontakt mit dem Artgenossen und ein gegenseitiges austesten der körperlichen Fähigkeiten beginnt. Z.B. durch anrempeln, bedrängen, beschnüffeln, beanspruchen des Gegenüber (Pfote/Kopf auflegen), Wettrennen etc.. .

Halterpassivität

Lässt man als Halter auch diese Verhaltensweisen auf eine so unkontrollierte Art und Weise zu, wird der Hund künftig immer schneller und intensiver auf Artgenossen reagieren und seine Konflikte eigenständig austragen, da man sich als Mensch durch passives Verhalten aus den Situationen unbewusst ausgeblendet hat. Somit fällt es dann nach einiger Zeit schwer, die Aufmerksamkeit seines Hundes zu bekommen sobald ein Hund auftaucht. Sich als Mensch in diesen Situationen bei seinem Hund einzublenden scheitert, da der Hund versucht sämtliche Lücken zu finden um sich in Kontakt mit dem anderen Hund zu bringen.

Weiterhin macht es aus Sicht des Hundes auch gar keinen Sinn, sich auf einmal an seinem Menschen zu orientieren und nicht selbst zu entscheiden was als nächstes passiert. Je mehr Entscheidungen man seinem Hund im Alltag überlässt, umso mehr wird er diese auch treffen und auf weitere Bereiche ausweiten.

Somit erklärt sich, warum einfache, Situationsbezogene Erziehungstechniken nicht dauerhaft und positiv das Verhalten eines Hundes verändern können. Deshalb ist es unumgänglich bei Fehlverhalten den Hund, seinen Menschen, bzw. sein gesamten Umfeld in die Therapie mit einzubeziehen.

Nur wenn man als Therapeut den Hund selbst in seinem Umfeld erleben und austesten kann, ist es möglich die Ursachen die zu Problemverhalten führen zu ergründen und daraufhin mit Mensch und Hund gemeinsam positiv daran zu arbeiten.

Während unserer Arbeit, sprich der Therapie, verzichten wir gänzlich auf Kommandos oder Ablenkungsmanöver. Wir arbeiten mit Ihnen gemeinsam daran, dass sich Ihr Hund in Problemsituationen eigenständig an Ihnen orientiert, indem die Grundlagen verändert werden die ein Fehlverhalten auslösen.

Nehmen Sie unverbindlich Kontakt mit uns auf und erfahren mehr.

Sascha Jenzewski

zert. TrainFair® Trainer Ausbildungsleitung TrainFair®